Hochempfindliche Magnetfeldsensoren ermöglichen eine nichtinvasive Diagnostik verschiedener Krankheitsbilder.

Grundsätzlich wird unter Biomagnetismus das schwache magnetische Feld eines Organismus verstanden. Diese biomagnetischen Felder sind um ein Vielfaches schwächer als die Stärke des Erdmagnetfeldes, weshalb ihre Messung einen hohen technischen Aufwand erfordert.

Biomagnetische Diagnostik

Durch die Messung mit Instrumenten höchster Empfindlichkeit können Prozesse im menschlichen Körper lokalisiert und verfolgt werden. Beispielsweise nutzen Neuronen elektrische Signale, um mit den Muskeln und Sinnesorganen zu kommunizieren. Diese neuronalen Ströme werden physikalisch am einfachsten als Stromdipol beschrieben.

Für die Messung werden supraleitende Induktionsspulen verwendet, die sogenannten SQUIDS. Erst sie ermöglichen die hochgenaue Messung des magnetischen Flusses. Um ihren fehlerfreien Betrieb zu gewährleisten, müssen sie mit flüssigem Helium auf -263,65°C (ca. 4 K) heruntergekühlt werden. Ein MEG verbraucht etwa 400 l flüssiges Helium im Monat, was einen Betrieb sehr kostspielig macht. Zum Vergleich: Ein MEG-Gerät versucht in etwa das Zehnfache an Ausgaben als für eine entsprechende EEF-Einrichtung.

Um die hochempfindlichen Messgeräte vor äußeren Magnetfeldern abzuschirmen, sind ferner hoch-komplexe, magnetisch abgeschirmte Räume nötig, auf deren Herstellung sich beispielsweise eine italienische Fima spezialisiert hat.

Die Biomagnetische Diagnostik ist unbedingt vom medizinischen Biomagnetismus abzugrenzen. Hierbei handelt es sich Afterwissenschaft, die für sich beansprucht wissenschaftlich zu sein, aber viele Kriterien der Wissenschaftlichkeit nicht erfüllen kann. Im Folgenden soll diese Lehre näher beleuchtet werden.

Medizinischer Biomagnetismus – nichts mehr als eine Pseudowissenschaft?

Beim Medizinischen Biomagnetismus handelt es sich um eine alternative Behandlungsmethode, die 1988 durch den mexikanischen Arzt Dr. Isaac Goiz entwickelt wurde.

Seiner Theorie nach sind viele Krankheiten durch einen veränderten ph-Wert im Inneren des Körpers zurückzuführen. Laut ihm hat jede Krankheit ihren Ursprung in miteinander verbundenen „biomagnetischen Paaren“. Geraten diese biomagnetischen Pole aus dem Gleichgewicht, fällt es Krankheitserregern besonders leicht, sich an diesen Polen anzusammeln und somit Leiden hervorzurufen. Durch Auflegen von Magneten an diesen Polen, lässt sich das Magnetfeld wieder in Gleichgewicht bringen und die Heilung kann einsetzen.

Achtung Versicherungsfalle!

Wer eine private Personenversicherung (das sind Versicherungen, wie Berufsunfähigkeitsversicherung oder Risikolebensversicherung) abschließen möchte, muss in den meisten Fällen detaillierte Gesundheitsfragen beantworten. Sollte man im Abfragezeitraum die Behandlung eines Heilpraktikers in Anspruch genommen haben, so muss auch dies angegeben werden.

Geschichte und Aufkommen

Biomagnetismus ist kein eindeutiger Begriff, da er mittlerweile von vielen Gruppen mit unterschiedlichen Interpretationen beansprucht wird. In seinem ursprünglichen Sinne beschreibt er das Phänomen, dass lebende Organismen magnetische Felder erzeugen. Vorreiter auf diesem Feld waren David Cohen, John Wikswo und Samuel Williamson deren Erkenntnisse zur Entwicklung der Magnetenzephalographie (MEG) führten, mit der die magnetische Aktivität des Gehirns gemessen werden kann. Es handelt sich hierbei um ein rein diagnostisches Verfahren, das hauptsächlich eingesetzt wird, um Hirnareale, die epileptische Anfälle auslösen, zu identifizieren oder um komplexe Schädeloperationen planen zu können.

Dahin gehend abzugrenzen ist der eingangs genannte Medizinische Biomagnetismus nach Dr. Isaac Goiz, der, laut eigenem Bekunden „die Antwort auf ALL Ihre gesundheitlichen Beschwerden darstellt“.

Funktionsweise

1993 brachte eben besagter Dr. Isaac Goiz Durán ein Buch mit dem vielversprechenden Titel „AIDS ist heilbar“ auf den Markt. Zu diesem Schluss führten ihn seine Beobachtungen, die er an einem AIDS-Patienten machte, indem er ihm einen Magneten auf seine Brust und sein Rektum legte.

Die Genesung der AIDS-Patienten erklärte Goiz dadurch, dass der Säurehaushalt an den magnetischen Polen wieder ausgeglichen wurde. Allerdings entbehren seine Prämissen, dass HIV-Erreger nur in saurem Milieu und E.coli nur in alkalischem Milieu gedeiht, jeglicher wissenschaftlicher Grundlage.

Die oben beschriebenen Pole bilden nach Goiz ein biomagnetsiches Paar. Seine Anhänger meinen inzwischen 250 von diesen biomagnetischen Paaren identifiziert zu haben.

Behandlungsfelder

Die haben es in sich und noch dazu eine 95%-Erfolgsquote bei Beschwerden und Erkrankungen, wie:

  • Diabetes Mellitus
  • Allergien
  • Burnout
  • Depression
  • Bluthochdruck
  • Rheuma
  • Hauterkrankungen
  • Haarausfall
  • akute und chronische Infekte
  • geschwächtes Immunsystem

Die Behandlung an sich ist frei von Nebenwirkungen und nimmt nur etwa 20 Minuten in Anspruch. Hierfür befindet sich der Patient in Rückenlage auf einer Liege. Zuerst wird der magnetische Minuspol auf die biomagnetischen Testpunkte angelegt. Wurde ein saures oder alkalisches Milieu identifiziert, wird der Pluspol des zweiten Magneten auf den dazugehörigen Partnerpunkt gelegt. Nach knapp 20 Minuten soll das biomagnetische Paar vollständig depolarisiert und das Säuremilieu im Körper wieder im Gleichgewicht sein.

Rezeption

Aufgrund ihrer simplen Funktionsweise erfreut sich die biomagnetische Medizin bei Heilpraktikern in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Die Qualifikation hierfür erwirbt man im Rahmen eines Seminars für 375 US-Dollar. Die dazugehörigen Magnete können für 180 bis 270 Euro im Online-Shop erworben werden, danach könne man auch die komplexesten Krankheiten heilen

Nun könnte man aufgrund der vielen Studien und spezialisierten Apparate vermuten, dass es sich beim medizinischen Biomagnetismus, um eine klinisch anerkannte Behandlungsmethode handelt. Dem ist allerdings nicht so, denn für die aufgestellten Behauptungen ließ sich keine vertrauenswürdige Quelle ausmachen.

An einigen Stellen im Internet wird beispielsweise behauptet, dass Biomagnetismus durch die Universität Oxford wissenschaftliche Anerkennung gefunden hätte. Das stimmt und zwar im Bereich der Philosophie.

Warum Sie nicht jedem Heilsversprechen Glauben schenken sollten, erklärt Ihnen Harald Lesch gerne nochmal im Video:


Quellen und Links

  1. Schittenhelm, Oppelt: Biomagnetische Diagnostik, 1990.
  2. http://www.atb-it.com/: abgreufen am 29.11.2017.
  3. Risikolebensversicherung.de: „Risikolebensversicherung: So sichern Sie Ihre Familie finanziell ab“, abgerufen am 27.11.2017.
  4. Wikipedia.org: Magnetoenzephalographie, abgerufen am 27.11.2017.
  5. Biomagnetism.net: „[…]the answer to ALL your health problems that people everywhere are talking about…“, abgerufen am 27.11.2017.
  6. Dr. med. Isaac Goiz Durán: „El Sida es Curable“, 1993.
  7. Harriet Hall: „Biomagnetism Therapy: Pseudoscientific Twaddle“, abgerufen am 27.11.2017.
  8. Biomagnetism.net: „If you want to open a professional consultation and care for patients with ailments from the simplest to the most complex, tumoral or degenerative, you will need 10 to 15 pairs of magnets (20-30 magnets).“, abgerufen am 27.11.2017.